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Procambarus fallax f. virginalis Martin et al. 2010

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Nachweise im Saarland

Aktuelle Nachweise

Weltweite Verbreitung (CABI)

Deutsche Namen

Marmorkrebs

Aussehen

Der Marmorkrebs ist ein bis zu 12 cm großes Krebstier mit auffälliger, bräunlicher Marmorierung und vergleichsweise kleinen Krebsscheren. Im Unterschied zu den beiden in Deutschland heimischen Flusskrebsarten, Edelkrebs (Astacus astacus) und Steinkrebs (Austropotamobius torrentium), besitzt der Marmorkrebs an den Körperseiten kleine spitze Dornen.

Herkunft, Einwanderungsweg und Ausbreitung

Der Marmorkrebs fiel als eigene Sippe erstmals in den 1990er Jahren in Aquaristik-Geschäften auf und stammt vermutlich vom nordamerikanischen Everglades-Sumpfkrebs ab. Inzwischen ist die Sippe als eigene Art (Procambarus virginalis) beschrieben. Die Umstände der Artentstehung sind bis dato weitgehend unbekannt, jedoch gehen manche Forscher davon aus, dass der Marmorkrebs als Ergebnis von Zuchtexperimenten entstanden sein könnte. Aufgrund der Marmorierung galt der Krebs als beliebter Aquarienbewohner, wurde jedoch aus den Aquarien vielfach in heimische Gewässer überführt. Der Erstfund in Deutschlands freien Natur gelang im Jahr 2003, wobei die Art hierzulande inzwischen in über 25 Gewässern nachgewiesen wurde. Im Europäischen Ausland wurden Vorkommen des Marmorkrebses in Schweden, den Niederlanden, Italien, der Slowakei, Ungarn, der Ukraine und Österreich gemeldet. Darüber hinaus sind Beobachtungen aus Madagaskar und Japan bekannt. Aufgrund des invasiven Charakters der Art, ist 

Lebensraum, Ökologie

In Deutschland wurde der Marmorkrebs überwiegend in Teichen nachgewiesen. Die Art ist ein Allesfresser und ernährt sich unter anderem von frischem Aas und Pflanzenteilen. Als besonders spektakulär gilt die Fortpflanzungsbiologie des Krebses. So sind die weiblichen Marmorkrebse zur sogenannten Jungfernzeugung befähigt. Dabei entstehen der aus den mütterlichen Eizellen ohne jegliches Zusammentreffen mit väterlichen Spermien Nachkommen. Diese Nachkommen stimmen in ihrem Erbgut vollständig mit der Mutter überein, sind also Klone des Muttertieres. Männliche Tiere kommen durch die Jungfernzeugung nicht zustande und sind bei der Krebsart allgemein nicht bekannt. Da ein einzelner weiblicher Marmorkrebs eine ganze Population bilden kann und die Weibchen zwei bis drei mal pro Jahr mehrere Hundert Eier legen können, hat die Art ein großes Vermehrungspotenzial.

Problematik

Der Marmorkrebs konkurriert mit den einheimischen Flusskrebsen nicht nur um Lebensraum und Nahrung, sondern kann darüber hinaus die Krebspest übertragen, die bei den einheimischen Flusskrebsarten tödlich verläuft.

Ausgewählte Quellen und weiterführende Literatur

Ein Krebs für die Krebsforschung - Lyko - 2017 - Biologie in unserer Zeit - Wiley Online Library

Jeschke, J. (2019): Vom Marmorkrebs und anderen Einwanderern. – forschung ‐ Mitteilungen der DFG 44 (4): 12–15.

Nehring, S. & Skowronek, S. (2020): Procambrus fallax f. virginalis - Marmorkrebs. – In: Bundesamt für Naturschutz (Ed.): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr.1143/2014. Zweite Fortschreibung 2019: 100–109. Bundesamt für Naturschutz, Bonn - Bad Godesberg.

Procambarus fallax f. virginalis - Marmorkrebs (neobiota-austria.at)

Marmorkrebs (Procambarus fallax f. virginalis)

Foto: J. Jeschke

Vorkommen invasiver Neobiota gesucht

  • Chinesischer Muntjak
  • Kamberkrebs
  • Riesen Bärenklau
  • Nordamerikanische Schmuckschildkröte
  • Drüsiges Springkraut
  • Bisamratte
  • Chinesische Wollhandkrabbe
  • Schmalblättrige Wasserpest
  • Marderhund
  • Gelbe Scheincalla
  • Marmorkrebs
  • Signalkrebs
  • Götterbaum
  • Blaubandbärbling
  • Waschbär
  • Nutria
  • Echte Seidenpflanze
  • Asiatische Hornisse
  • Roter Amerikanischer Sumpfkrebs
  • Nilgans
  • Gemeiner Sonnenbarsch